Claudia Henkel

Porzellan und Schwarzbrand

Vorhänge aus Porzellan

Die Einzelteile sind aus dem Gedanken heraus entstanden die Lücken im Ofen zu füllen, einen kleinen Artikel zu fertigen der nicht viel Geld kostet und etwas Dekoratives mit der Materialqualität der Transparenz zu schaffen.
Also verflüssigte ich meine Porzellanabfälle, die auf diese Weise auch entsorgt wurden, und begann auf Gipsplatten kleine Quadrate, Kreise, Blumen und Ähnliches zu gießen. Das Malen der Einzelteile entsteht meistens aus der Bewegung. Kein Teil ist wie das andere. Sehe ich, dass eine Binnenstruktur gelungen ist, versuche ich Varianten dazu zu schaffen.
Dieser Prozess ist sehr spontan und schnell. Denke ich zu lange über das Malen nach, werden sie nicht mehr so schön.

Diese Einzelteile können zu Mobiles zusammengestellt werden, einzeln in die Fenster gehängt werden oder zu Vorhängen geknüpft werden. Als Vorhänge gehen sie über das rein Dekorative hinaus, da die Materialqualität des Porzellans einen eigenen Ausdruck schafft, der Keramische und Textile Anmutung miteinander verknüpft. Sie lösen beim Betrachter immer fassungsloses Erstaunen aus, über die Machbarkeit aber auch die Zartheit, das Filigrane und die Transparenz.

Sind diese Vorhänge vor eine Wand gehängt und werden sie von vorn beleuchtet, so werfen sie einen zauberhaften Schatten, der materieller und fassbarer wirkt, als der Vorhang an sich.
Formal bilde ich in diesen Vorhänge ein strenges Grundgerüst aus Quadraten und rechten Winkeln. Innerhalb eines Quadrates jedoch ist die Binnenstruktur keinerlei Ordnung unterworfen. Sie entsteht aus dem Augenblick heraus. In der Anordnung der Quadrate schaffe ich dann wieder ein System, indem ich gruppiere und so ein Bild entwerfe, welches symmetrisch ist und einer Häkelanleitung entnommen sein könnte. So entsteht ein Vorhang aus Porzellan, der aussieht, als sei er geklöppelt, gehäkelt, zum mindest irgendwie aus Garn gefertigt.

Mit diesen Vorhängen gehe ich an die Grenzen der Machbarkeit, was ich allein nicht als erstrebenswert halte. Aber diese Art der Gestaltung bietet auch im ornamentalen Bereich noch unendliche Möglichkeiten. Es ist ein Feld in dem sich die Fantasie austoben kann. Und das werde ich in Zukunft auch als Ausgleich zum Geschirr, welches immer eine gewisse Disziplin erfordert, tun.