Claudia Henkel

Porzellan und Schwarzbrand

Geschirr

Schwarzbrand | Teller | Gedrehte Gefäße | Funktion | Reihung | Brenntechnik

Porzellangeschirr in Verbindung mit Schwarzbrand

Ich möchte mich mit handwerklich gefertigtem Geschirr von industriellem Geschirr absetzen. Das versuche ich, indem ich die üblichen Sehgewohnheiten und Benutzergewohnheiten nicht in vollem Maße bediene.

Bei einem zusammenhängenden Geschirr beruht der Zusammenhang unter den einzelnen Geschirrteilen auf dem Set-Gedanken. Alle Teile gehören zu ein und der selben Formfamilie und unterscheiden sich nur durch Dimension und Proportion. Bei diesem Geschirr hingegen manifestiert sich die Zusammengehörigkeit über Kontraste, nicht über Kontinuität.

So erklären sich die Polaritäten in Material, Formgebungstechnik, Form, Farbe und Wirkung: Porzellan und Schwarzbrand, Schwer und Leicht, Glatt und Rau, Eckig und Drehsymmetrisch, Drehen und Plattentechnik, Volumenfassend und Flächige Ausdehnung, Streng und Freispielend, Hell und Dunkel, Ordnung und Zufall etc.

Die Geschirrteile

Teller

Sie sind in Plattentechnik hergestellt. Rechteckig oder quadratisch, in unterschiedlichen Größen mit montiertem Standring. In Porzellan oder Schwarzbrand, also Irdenware.
Mit leichtem Schwung in der Fläche. Scharfkantig, dick, schwer. Die Oberfläche ist glatt. An jeweils 2 Seiten des Tellers sind als Anspielung auf den Tellerrand mit einem Spachtel freihändig und eher aus der Bewegung heraus, mal geradlinig, mal kurvig, entlang den Kanten aufgeraute Randzonen gezogen, die entweder die Rechtwinkligkeit unterstützen oder konterkarieren.
Die Binnenfläche ist bei den Schwarzbrandtellern mit Terra Sigillata bedeckt, bei Porzellantellern glasiert.

Die Schwarzbrandteller erinnern an Schiefer, Stein, bei metallischem Glanz auch an Gusseisen. Sie sind sehr erdig. Diese Erdigkeit kontrastiert mit der strengen geometrischen Form. Die Porzellanteller hingegen haben eine viel lichtere und elegantere  Materialqualität. Aufgrund des Rückerinnerungsvermögens des Porzellans treten nach dem Brand oft Texturen sichtbar zutage, die an Wellen erinnern. Sie stehen in reizvollem Kontrast zu der Geradlinigkeit der Außenbegrenzung. Licht und Schattenwirkung kommen in diesem Material stärker zur Wirkung.

 

Gedrehte Gefäße:

Sie sind durchweg, auch weil sie Flüssigkeiten aufnehmen müssen, aus Porzellan.
Meist schmaler Standring um sich vom Boden abzuheben und Leichtigkeit zu erlangen. Die Gefäßköper sind entweder zylindrisch oder konisch, nie bauchig. Oben und unten durch prägnante Körperkanten waagrecht gefasst. Dazwischen Drehrillen als Ornament und Silhouettenbildendes Element. Freispielende, vom Zufall geprägte, unglasierte Zone, von Gefäßkanten  gefasst.

Das Verhältnis von Durchmessern zu Höhen kann beliebig variiert werden ohne dass, das Gefäß je plump wirkt. So kann ich jeden beliebigen Gefäßtyp drehen und immer passen sie zueinander, da sie alle das selbe Grundgerüst besitzen.

Funktion und Funktionalität

Ein Geschirr und seine Einzelteile besitzt nie nur die Funktion des Benutzens. Tasse zum Trinken, Teller um Speisen davon zu essen, etc. Es hat für mich immer auch eine große ästhetische Funktion. Dessen Stellenwert ist zum Teil so hoch, dass die Funktionalität in den Hintergrund tritt. Deshalb ist es für mich auch möglich Teller aus einer Irdenware zu machen, die darüber hinaus auch recht schwer sind. Sie sind in der Benutzung weniger praktisch aber im Gesamtkonzept der Kontrastierung legitimieren sie sich.

Ein Geschirrteil hat nie nur eine Funktion. Der Teller ist Teller und in seiner grafischen Gestaltung auch Bild. Tasse ist auch Schale, Eierbecher ist auch Teelicht.

Gleich, Ähnlich, Verschieden

Für mich ist wie in jedem Geschirr Reihung wichtig, aber nicht die Reihung von absolut gleichem. Obwohl Tassen beispielsweise die selben Maße besitzen, sind sie nicht alle gleich. Durch die Drehrillen der gedrehten Gefäße und die unterschiedlichen Randzonen der Teller hat jedes Einzelteil einen sehr individuellen Charakter, ist aber auch nicht komplett verschieden.

Brenntechnik

Die Porzellanteile sind durchweg im Gasofen bei 1280°C reduzierend gebrannt.
Der Schwarzbrand ist ein Brennverfahren, bei dem das Ergebnis nur in begrenztem Maße beeinflussbar ist. Die geschrühten Teller werden in einer luftdicht abgeschlossenen Brennkapsel zusammen mit Sägespänen bei einer Temperatur von 950°C gebrannt. Das hat eine hohe Rauchentwicklung zur Folge. Der dabei entstehende Kohlenstoff lagert sich in den Sherben ein und färbt ihn schwarz. Das Ergebnis ist abhängig von der Art der verwendeten Sägespäne der Temperatur und der Luftzufuhr. Je luftdichter die Kapsel, desto schwärzer die Teller.
Insofern spielt bei allen Geschirrteilen der Zufall immer eine Rolle.